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Hellerau ist ein ganz besonderer Stadtteil Dresdens. Die Gartenstadt entstand ganz nach den Ideen des Unternehmers Karl Schmidt und wurde in Zusammenarbeit mit diversen Architekten verwirklicht.


1908 erwarb Schmidt 130 Hektar Land nahe der Dresdner Heide und des Stadtteils Klotzsche. Hier sollte die Stadt „Au am Heller als eine sogenannte Gartenstadt erbaut werden. Die Gartenstadtbewegung kam in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts auf und stammt aus England. Die Gartenstadt sollte eine neue Form des Zusammenlebens darstellen und ihre Ideen in Kunst und Architektur zum Ausdruck bringen. Im Zuge dessen gründete Karl Schmidt eine gemeinnützige Gesellschaft, um den zukünftigen Bewohnern ein günstiges Wohnen zu ermöglichen.


Hellerau entstand nach den Plänen des Architekten Richard Riemerschmid in Zusammenarbeit mit Heinrich Tessenow. Charakteristisch für die Stadt sind die bogenförmigen Straßen, die harmonischer wirken als gerade Straßen. Es gibt zwei- und dreistöckige Häuser mit geschwungenen Hausfronten, einem freiliegenden Treppenhaus, einladenden Wegen und großen Gärten. Bunte und fröhliche Farben sind ein besonderes Merkmal der Siedlung, deren Architektur somit ganz auf ein friedliches und harmonisches Zusammenleben ausgerichtet ist.


Durch den Ersten Weltkrieg musste die Entwicklung Helleraus abgebrochen werden. Jedoch wurden einige Gebäude noch in den 1920er und 1930er Jahren hinzugefügt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, am 1.Juli 1950, wurde die Gartenstadt Hellerau offiziell zu einem Stadtteil von Dresden erklärt.


Den künstlerischen Mittelpunkt der Siedlung stellt das Festspielhaus dar. Es wurde nach den Plänen von Heinrich Tessenow errichtet und ausgebaut. Bis 1915 fanden hier jährliche Festspiele statt, die Künstler aus ganz Europa anlockten, darunter beispielsweise auch Oskar Kokoschka, George Bernard Shaw und Franz Kafka. Es beherbergte auch eine Bildungsanstalt für Rhythmische Gymnastik, die gesellschaftliche Reformvorstellungen mit einer künstlerischen Ausdrucksweise verbinden sollte.


Ab 1939 wurde die Bildungsanstalt vom nationalsozialistischen Regime als Kasernenhof genutzt, ebenso von der sowjetischen Besatzungsmacht. Erst 1992 wurde sie dem Bundesvermögensamt übergeben. Das Festspielhaus hat seine große künstlerische Bedeutung beibehalten und ist seit 2003 das Dresdner Zentrum für zeitgenössische Kunst. Jährlich finden hier wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen statt.


Ebenfalls in Hellerau ansässig sind die Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst. Die Werkstatt stand im Besitz Karl Schmidts und stellte vor allem formschöne Möbel her, die sich von der Massenware abheben sollten. Heute spielt die Möbelproduktion nur noch eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen die Inneneinrichtung öffentlicher Gebäude sowie private Aufträge. Das Unternehmen unterhält auch eine eigene Fachschule.


Der Stadtteil Hellerau ist heute in seiner Gesamtheit ein Flächendenkmal, modernen Neuerungen jedoch nicht abgeneigt. Denn Innovation und Reformation gelten als besondere Eigenschaft der Gartenstadt. Seit einigen Jahren existiert eine Interessengruppe, die sich um die Anerkennung Helleraus als Weltkulturerbe bemüht.