Porzellan: ein Nebenprodukt der Goldmacherei

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Porzellan: ein Nebenprodukt der Goldmacherei

Porzellan: ein Nebenprodukt der Goldmacherei

Schon immer hegte Johann Friedrich Böttger (1682 - 1719) eine heimliche Leidenschaft für die Alchimie. Das Herstellen von edlen Metallen aus unedlen Stoffen übte eine große Faszination auf den Apotheker-Lehrling aus. Bereits im Jugendalter verfolgte er das Ziel den Stein der Weisen zu finden. Dieser sollte es ihm ermöglichen, Gold herzustellen. Sein Ausbilder, Friederich Zorn, stand dem skeptisch gegenüber. Um seinen Lehrmeister zu überzeugen, verwandelte Böttger bei öffentlichen Vorführungen Silbermünzen in Goldmünzen, was jedoch nichts weiter als ein Trick war.


Die Botschaft von Böttgers alchimistischen Fähigkeiten verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Bald begehrten ihn verschiedene Fürsten als Hofalchimisten. Denn der Lebensstil bei Hofe war aufwändig und so erschien es nützlich, einen Mann zu Diensten zu haben, der die leeren Staatskassen nach Belieben wieder auffüllen konnte. Ein Angebot des preußischen Fürsten Friedrich I. schlug Böttger aus. Schließlich wurde ein Kopfgeld auf den Alchimisten ausgesetzt. Auch August der Starke, König von Sachsen, interessierte sich für die Fähigkeiten Böttgers. Dieser schaffte es schließlich, sich den Alchimisten dienstbar zu machen.


Böttger wurde nach Dresden gebracht, wo man ihm im Keller des Fürstenbergischen Hauses ein Labor eingerichtet hatte. Hier sollte er größere Mengen Gold herstellen. 1704 wurden ihm Gottfried Pabst von Ohain und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus zur Seite gestellt. Letzterer versuchte sich schon seit Jahren an der Porzellanherstellung und versuchte Böttger zu überreden, sich an seinen Experimenten zu beteiligen. Im Jahr 1705 wurde das Labor nach Meißen verlegt. 1706 gelang ein erster Erfolg bei der Herstellung von Jaspisporzellan, welches später nach Böttger benannt wurde. Ein Jahr später verwendeten die drei erstmals weiße Tonerde, es entstand ein schlichtes Gefäß aus weißem Porzellan, sogenanntes „weiße Gold“.


August der Starke zeigte sich begeistert von dieser Entdeckung und setzte sich für eine fabrikmäßige Produktion sowie eine Verbesserung des Herstellungsverfahrens ein. So wurde 1710 schließlich die berühmte Meißner Porzellanmanufaktur gegründet. 1714 wurde Böttger aus seiner Haft entlassen, blieb dem sächsischen Königshaus jedoch weiterhin verpflichtet, denn das Geheimnis der Porzellanherstellung sollte um jeden Preis gewahrt werden. So setzte der Alchimist seine Bemühungen in der Goldherstellung fort. Im Jahr 1719 verstarb der Entdecker des Porzellans in Dresden an einer Vergiftung.


Böttger wurde zwar in Europa als Entdecker des weißen Goldes gefeiert, doch die Chinesen wussten bereits viel früher um das Geheimnis der Porzellanherstellung. Im 7. Jahrhundert gelang es ihnen aus Petuntse, Kaolin und feinem Quarz Porzellan herzustellen. Diese Entdeckung wurde lange geheim gehalten, sodass es den Europäern jahrhunderte lang nicht gelang, das Geheimnis zu lüften.


So gelten Böttger und seine Mitstreiter bis heute als die Erfinder des Porzellans, das zu recht weißes Gold genannt wird.